BMW 4er: Bekannte Probleme und Schwachstellen
9 dokumentierte Probleme
Der BMW 4er gilt als sportliches Coupé mit Premium-Anspruch, hat aber wie jedes Fahrzeug seine typischen Schwachstellen. Hier finden Sie die häufigsten Probleme des BMW 4 Series und praktische Hinweise, wie sich diese beheben lassen.
Ausfall der Steuerkettenführung beim N20 (428i)
HochModelle 428i mit dem Vierzylinder-Turbomotor N20 leiden unter demselben Defekt der Steuerkettenführung wie andere N20-BMW. Die Kettenführungen aus Kunststoff reißen und zerbröseln, wodurch die Kette Spiel bekommt. Das führt zu Fehlern in der Nockenwellen-Synchronisation und kann einen Motorschaden nach sich ziehen. Am stärksten betroffen sind die Modelljahre 2014–2015; BMW hat in der späteren Produktion 2015 überarbeitete Führungen eingeführt.
Symptome: Kaltstart-Rasseln aus dem vorderen Motorbereich, 2–5 Sekunden anhaltend · Motorkontrollleuchte mit Fehlern zur Nockenwellen-Synchronisation · Unruhiger Leerlauf, der sich mit der Zeit verschlimmert · Metallisches Rasseln oder Schaben aus dem Bereich der Steuerkette · Leistungsverlust bei starker Beschleunigung · In schweren Fällen Absterben des Motors im Leerlauf
Abhilfe: Steuerkette, Kettenspanner und sämtliche Kettenführungen gegen die überarbeitete Ausführung von BMW ersetzen. Die Arbeit erfordert 8–12 Stunden und umfasst das Abnehmen des vorderen Steuergehäusedeckels. Es empfiehlt sich, gleichzeitig die VANOS-Magnetventile zu erneuern, um das Steuerungssystem komplett aufzufrischen. Ausschließlich Kettenführungen der neuesten Teilenummern verwenden.
Vorzeitiger Steuerkettenschaden beim N20 – 428i F32/F33/F36
HochDer 2,0-l-Turbomotor N20 im 428i leidet unter vorzeitiger Steuerkettenlängung und Versagen der Kettenführung, typischerweise zwischen 65.000 und 130.000 km. Die einreihige Steuerkette ist für die Leistung des Motors unzureichend ausgelegt. Die Kettenlängung lässt die Steuerzeiten überspringen, was zu unrundem Lauf, schlechter Leistung und im Fall eines Kettenrisses zu einem kapitalen Motorschaden führen kann. In den USA hat BMW im Rahmen eines Vergleichs eine Garantie über 8 Jahre/160.000 km gewährt. Dies entspricht dem N20-Steuerkettenproblem in 328i/X3/X5 mit demselben Motor.
Symptome: Rasselndes Geräusch beim Kaltstart (erste 5 Sekunden) · Motorkontrollleuchte mit Fehlercodes zur Steuerzeiten-Synchronisation (P0016, P0017, P0018, P0019) · Unruhiger Leerlauf oder Zündaussetzer · Leistungsverlust oder Zögern beim Beschleunigen · Motor startet nach Kettenschaden nicht mehr
Abhilfe: Kompletter Austausch des Steuerkettensatzes inklusive Kette, Führungen, Spanner und Kettenräder. Die Arbeit muss von einem erfahrenen BMW-Techniker ausgeführt werden. Ein vorbeugender Austausch wird zwischen 95.000 und 130.000 km empfohlen. Im US-Vergleich wurde die Garantie auf 8 Jahre/160.000 km erweitert. Verstärkte Kettensätze sind aus dem Zubehör erhältlich.
Abspringendes Ladeluftrohr beim B58 unter Ladedruck
MittelDas Ladeluftrohr aus Kunststoff (vom Ladeluftkühler zur Drosselklappe) kann bei B58-Motoren der Modelle 440i und M440i unter hohem Ladedruck abspringen oder reißen – vor allem bei warmem Wetter oder sportlicher Fahrweise. Das OEM-Kunststoffrohr verwendet einen aufgepressten Verbinder, der durch die ständigen Temperaturwechsel mit der Zeit nachlässt. Löst sich das Rohr, verliert der Motor sofort den Ladedruck und schaltet mit deutlichem Leistungsverlust in den Notlauf.
Symptome: Plötzlicher Leistungsverlust bei starker Beschleunigung · Lautes Knallen oder Zischen aus dem Motorraum · Ladedruck-Fehlercodes im DME hinterlegt · Motorkontrollleuchte mit Unterdruck-Fehler (Underboost) · Unrunder Motorlauf nach dem Lösen des Rohres · Pfeifendes oder schwirrendes Geräusch beim Gasgeben
Abhilfe: Das OEM-Kunststoffrohr durch ein hochwertigeres Aluminium-Ladeluftrohr aus dem Zubehör ersetzen. Diese verwenden klemmbare Verbindungen, die unter Druck nicht abspringen. Wird ein OEM-Teil verbaut, sollte die neueste Teilenummer verwendet werden. Die Schläuche und Verbinder des Ladeluftkühlers auf Beschädigungen durch den Druckabfall prüfen.
Undichte Ventildeckeldichtung und Ausfall der Kurbelgehäuseentlüftung (PCV)
MittelBei den Motoren N20 (428i) und N55 (435i) wird die Ventildeckeldichtung typischerweise zwischen 95.000 und 145.000 km undicht. Auch das in den Ventildeckel integrierte PCV-Ventil (Kurbelgehäuseentlüftung) kann ausfallen und so zu überhöhtem Kurbelgehäusedruck, hohem Ölverbrauch und unrundem Motorlauf führen. Aus dem Ventildeckel austretendes Öl kann in die Zündkerzenschächte gelangen und Zündaussetzer verursachen.
Symptome: Ölgeruch im Motorraum, besonders stark nach dem Abstellen im warmen Zustand · Sichtbare Ölrückstände an den Kanten des Ventildeckels · Unruhiger Leerlauf durch defektes PCV-Ventil · Pfeif- oder Sauggeräusch aus dem Motor (Falschluft durch PCV) · Erhöhter Ölverbrauch zwischen den Ölwechseln · Zündaussetzer durch Öl in den Zündkerzenschächten
Abhilfe: Den kompletten Ventildeckel als Einheit ersetzen, da Dichtung und PCV-Ventil bei N20 und N55 fest in den Kunststoffdeckel integriert sind. Die Zündkerzenschächte von Ölrückständen reinigen und ölverschmutzte Zündkerzen erneuern. Den neuen Deckel mit einem Drehmomentschlüssel korrekt anziehen – ein Überdrehen reißt das Kunststoffgehäuse.
Defekt des Turbo-Ladeluftrohrs – 428i/435i/440i F32/F33/F36
MittelBMW verwendet ein Ladeluftrohr aus Kunststoff, um die verdichtete Luft vom Turbolader zum Ansaugtrakt zu leiten. Der Kunststoff wird durch die ständigen Temperaturwechsel und den Ladedruck mit der Zeit spröde. Häufig reißt das Rohr oder die Verbindungsstellen versagen, wodurch der Ladedruck schlagartig abfällt. Die Folge sind sofortiger Leistungsverlust und Notlauf. Der Defekt tritt typischerweise zwischen 80.000 und 130.000 km auf. Betroffen sind alle aufgeladenen BMW der F-Baureihe (Motoren N20, N55). Viele Fahrer rüsten auf ein Aluminium-Ladeluftrohr um, damit das Problem nicht erneut auftritt.
Symptome: Plötzlicher Leistungsverlust während der Fahrt · Lautes Zischen oder Schwirren aus dem Motorraum · Motorkontrollleuchte mit Ladedruck-Fehlercodes (P0299, P0234) · Aktivierung des Notlaufs (reduzierte Leistung) · Sichtbarer Riss oder gelöste Verbindung am Ladeluftrohr · Motor läuft, hat aber keine Leistung beim Beschleunigen
Abhilfe: Das Ladeluftrohr ersetzen. Das OEM-Ersatzteil besteht ebenfalls aus Kunststoff und wird wieder versagen. Ein Aluminium-Ladeluftrohr aus dem Zubehör wird als dauerhafte Lösung dringend empfohlen. Beliebte Marken: ARM Motorsports, Burger Motorsport (BMS), VRSF. Der Einbau ist für erfahrene Schrauber gut selbst durchführbar. Bei ausgebautem Ladeluftrohr zudem die Schläuche und Schellen des Ladeluftkühlers auf Risse prüfen.
Ausfall der Kraftstoffeinspritzdüsen – 428i/430i/435i/440i F32/F33/F36
MittelDie Einspritzdüsen der Direkteinspritzung fallen bei N20- und N55-Motoren häufig zwischen 95.000 und 160.000 km aus – verursacht durch Verkokung und den Betrieb unter hohem Druck. Die internen Dichtungen der Düsen verschleißen, was zu Kraftstoffaustritt oder ungleichmäßigem Sprühbild führt. Defekte Düsen verursachen unrunden Lauf, Zündaussetzer und schlechten Verbrauch. Ölkohleablagerungen an den Einlassventilen (bei Direkteinspritzern typisch) verschärfen das Problem. BMW verwendet Bosch-Hochdruckdüsen, die mit über 138 bar arbeiten. Fällt eine Düse aus, folgen oft kurz darauf weitere.
Symptome: Unruhiger Leerlauf oder Motorvibrationen · Motorkontrollleuchte mit Zündaussetzer-Codes (P0300-P0306) · Leistungsverlust oder Beschleunigungsloch · Erhöhter Kraftstoffverbrauch · Schlechtes Startverhalten oder langes Orgeln · Kraftstoffgeruch aus dem Motorraum (undichte Düse)
Abhilfe: Defekte Einspritzdüse(n) ersetzen. BMW empfiehlt, alle Düsen gemeinsam zu erneuern, um Folgereparaturen zu vermeiden. Bei ausgebauten Düsen empfiehlt sich eine Walnussschalen-Strahlreinigung der Einlassventile (überlappende Arbeitszeit spart Kosten). Hochwertigen Kraftstoff mit Reinigungsadditiven tanken, um die Verkokung zu minimieren. Manche Fahrer geben vorbeugend alle 8.000 km Liqui Moly Ventil Sauber in den Tank.
Ausfall der elektrischen Wasserpumpe beim N55 – 435i/440i F32/F33/F36
MittelDer N55-Motor besitzt eine elektrische Zusatzwasserpumpe (zusätzlich zur mechanischen Pumpe), die häufig zwischen 95.000 und 160.000 km ausfällt. Die elektrische Pumpe lässt das Kühlmittel bei abgestelltem Motor zirkulieren, um einen Hitzestau zu verhindern, und unterstützt den Kaltstart. Lagerverschleiß und undichte Dichtungen führen zu Kühlmittelverlust und zum Durchbrennen des Pumpenmotors. Anzeichen sind Kühlmittelverlust, Überhitzungswarnungen und ein nicht funktionierender Innenraumheizung. Dies ist ein Verschleißteil, das bei allen N55-Motoren irgendwann ausfällt (betrifft auch 335i, 535i, X5 35i, X6 35i).
Symptome: Kühlmittel-Warnleuchte oder Meldung über zu niedrigen Kühlmittelstand · Sichtbarer Kühlmittelaustritt unter dem Fahrzeug (Beifahrerseite) · Überhitzungswarnung oder steigende Temperaturanzeige · Heizung funktioniert nicht richtig · Surrendes Geräusch aus dem Bereich der Wasserpumpe · Motorkontrollleuchte mit Fehlern zur Kühlmittelzirkulation
Abhilfe: Die elektrische Wasserpumpe ersetzen. Bei der Reparatur auch die mechanische Hauptwasserpumpe und das Thermostat auf Undichtigkeit bzw. Defekt prüfen. Das Kühlmittel durch ein von BMW freigegebenes Kühlmittel (blau oder das neuere orange) ersetzen. Das Kühlsystem nach dem Austausch korrekt entlüften, um Luftblasen zu vermeiden. Manche Werkstätten empfehlen, beide Pumpen gemeinsam zu erneuern, da sich die Arbeitszeit überschneidet.
Ausfall von Hydraulikpumpe und Motor des Verdecks – F33 Cabrio
MittelDas F33 4er Cabrio nutzt ein komplexes hydraulisches Klappdach (Hardtop), bei dem häufig Pumpe und Motor ausfallen. Der Motor der Hydraulikpumpe brennt durch Überhitzung durch, oder undichte Dichtungen führen zu Verlust der Hydraulikflüssigkeit. Das Verdeck bleibt dann in einer halb geöffneten oder halb geschlossenen Stellung stecken. Auch die Mikroschalter, die die Verdeckposition erfassen, fallen oft aus und verhindern den Betrieb selbst dann, wenn die Hydraulik funktioniert. Witterungseinflüsse und seltene Betätigung beschleunigen die Ausfälle. Betroffen sind alle F33 Cabrios; das Problem ähnelt dem der E93 3er Cabrios.
Symptome: Verdeck bleibt halb geöffnet oder halb geschlossen stecken · Warnmeldung zum Verdeckbetrieb im iDrive · Surrendes oder mahlendes Geräusch beim Betätigen des Verdecks · Verdeck bewegt sich langsam oder stoppt mitten im Vorgang · Austritt von Hydraulikflüssigkeit im Kofferraumbereich · Verdeck lässt sich nicht richtig ent- oder verriegeln
Abhilfe: Die konkrete Fehlerstelle eingrenzen – Pumpenmotor, Hydraulikleitungen, Mikroschalter oder Verriegelungsmechanismus. Am häufigsten ist der Austausch des Pumpenmotors. Den Stand der Hydraulikflüssigkeit prüfen und bei Bedarf auffüllen. Alle Mikroschalter und Sensoren auf einwandfreie Funktion kontrollieren. Regelmäßiges Betätigen des Verdecks (mindestens einmal im Monat) verhindert das Austrocknen der Dichtungen. Das Fahrzeug mit geschlossenem Verdeck abstellen, um die Hydraulik zu schonen.
Ausfall des VANOS-Magnetventils beim N55 – 435i/440i F32/F33/F36
MittelDer 3,0-l-Turbo-Reihensechszylinder N55 in den Modellen 435i und frühen 440i leidet unter Ausfällen der VANOS-Magnetventile (variable Ventilsteuerung). Diese Magnetventile steuern den Öldurchfluss zum VANOS-System für die variable Ventilsteuerung. Durch internen Verschleiß bleiben sie hängen oder fallen aus, was zu unrundem Lauf, Leistungsverlust und Motorkontrollleuchte führt. Das Einlass-VANOS-Magnetventil (vorne am Zylinderkopf) fällt häufiger aus als das Auslassventil. Ölverschmutzung und Schlamm beschleunigen den Defekt. Dieses Problem teilen sich die N55-Modelle 335i, 535i und X5 35i.
Symptome: Unruhiger Leerlauf oder Ruckeln des Motors · Motorkontrollleuchte mit VANOS-Fehlercodes (P0011, P0012, P0021, P0022) · Leistungsverlust oder schlechtes Ansprechverhalten · Erhöhter Kraftstoffverbrauch · Unrunder Kaltlauf, der sich mit Betriebstemperatur bessert
Abhilfe: Defekte(s) VANOS-Magnetventil(e) ersetzen. Sowohl das Einlass- als auch das Auslassventil sollten geprüft werden. Bei Verschlammung das VANOS-System reinigen. Hochwertiges Vollsynthetiköl (BMW-Norm LL-01) verwenden und Ölwechselintervalle von 12.000 km einhalten, um vorzeitigem Ausfall vorzubeugen. Manche Werkstätten empfehlen, beide Magnetventile vorbeugend gemeinsam zu erneuern.
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