Mercedes-Benz E-Klasse (E-Class): Bekannte Probleme und Schwachstellen
9 dokumentierte Probleme
Die Mercedes-Benz E-Klasse gilt als Inbegriff der soliden Business-Limousine — doch auch sie hat je nach Baureihe ihre typischen Schwachstellen. Von der verschlissenen Ausgleichswelle des M272-V6 über die undichte AIRMATIC-Luftfederung des W212 bis zu den 48-Volt-Problemen des aktuellen W213: Hier erfahren Besitzer, welche bekannten Mängel auftreten können, woran man sie erkennt und mit welchen Reparaturkosten in der Werkstatt zu rechnen ist.
Verschleiß des Ausgleichswellenrads beim M272
HochDer 3,5-Liter-V6 M272 hat ein fehlerhaftes Ausgleichswellenrad, das wegen des zu weichen Kettenradmaterials der frühen Produktionsjahre vorzeitig verschleißt. Sind die Zähne erst einmal abgeschliffen, fällt die Ausgleichswelle aus — die Folge sind starke Motorvibrationen und im schlimmsten Fall ein Überspringen der Steuerkette.
Symptome: Starke Motorvibrationen im Leerlauf · Motorkontrollleuchte mit Steuerzeiten-Fehlercodes
Abhilfe: Ausgleichswelle samt Zwischenrad gegen die überarbeitete Version aus gehärtetem Stahl tauschen. Mercedes hat für bestimmte Fahrgestellnummern die Garantie verlängert. Die Reparatur erfordert eine umfangreiche Motorzerlegung — 15 bis 20 Stunden Arbeitszeit.
Defekte Elektroplatte der 7G-Tronic
HochBeim Siebengang-Automatikgetriebe 722.9 (7G-Tronic) fällt die Elektroplatte aus — die interne Elektronikplatine mit den Drehzahlsensoren. Die Folge sind Notlauf, harte Schaltvorgänge und der Verlust einzelner Gänge. Der elektrische Steckverbinder korrodiert, oder die Sensoren reißen durch ständige Temperaturwechsel.
Symptome: Getriebe schaltet in den Notlauf (bleibt in einem Gang hängen) · Harte, ruckartige Gangwechsel
Abhilfe: Elektroplatte samt beider Drehzahlsensoren im Getriebe ersetzen. Dazu müssen Getriebeölwanne und Schaltschieberkasten (Ventilkörper) ausgebaut werden. Getriebeölfilter und Getriebeöl bei dieser Gelegenheit gleich mitwechseln.
Ausfall der AIRMATIC-Luftfederung (W212)
HochDie AIRMATIC-Luftfederung der E-Klasse W212 entwickelt Undichtigkeiten an den Luftfederbeinen, wodurch das Fahrzeug über Nacht absackt oder sich an einer Ecke senkt. Der Kompressor verschleißt vorzeitig, weil er ständig gegen die undichten Federbeine anarbeiten muss.
Symptome: Fahrzeug sackt über Nacht an einer Ecke ab · Luftfederkompressor läuft ununterbrochen
Abhilfe: Undichte Luftfederbeine ersetzen. Läuft der Kompressor übermäßig oft, sollte er samt Relais ebenfalls erneuert werden. Arnott und Bilstein bieten hochwertige Luftfedern aus dem Zubehör, die deutlich günstiger sind als die Originalteile.
Undichter Ölkühler beim OM642-Diesel
HochBeim 3,0-Liter-V6-Diesel OM642 versagen die Dichtungen des Ölkühlers, sodass Motoröl ins Kühlmittel gelangt — oder umgekehrt. Der Ölkühler sitzt im Motor-V zwischen Motorblock und Ansaugbrücke, was den Zugang erheblich erschwert.
Symptome: Milchiger Belag am Öldeckel oder Ölmessstab · Kühlmittelverlust ohne sichtbare Leckage
Abhilfe: Dichtungen und Dichtringe des Ölkühlers erneuern. Für den Zugang muss die Ansaugbrücke demontiert werden. Nach der Reparatur sowohl den Ölkreislauf als auch das Kühlsystem gründlich spülen, um die Vermischung restlos zu beseitigen.
Ausfall des integrierten 48-Volt-Startergenerators / DC-DC-Wandlers mit plötzlichem Leistungsverlust und Startverweigerung
HochZahlreiche Besitzer der W213-Modellpflege mit dem M256-Mildhybridsystem berichten von plötzlichen Warnmeldungen, ausbleibender Ladung, reduzierter Leistung, Absterben des Motors oder Startverweigerung — zurückzuführen auf das 48-Volt-Bordnetz. Mercedes hat dazu Servicemitteilungen herausgegeben, und es liegen zahlreiche Besitzerbeschwerden vor, die den Ausfall des integrierten Startergenerators (ISG) bzw. des zugehörigen DC-DC-Wandlers oder der 48-Volt-Batteriekomponenten beschreiben. Fällt das 48-Volt-System aus, können mehrere Warnleuchten aufleuchten; das Fahrzeug ist dann unter Umständen nicht mehr fahrbereit oder springt nicht mehr an.
Symptome: Warnmeldung 12-Volt-Batterie/Ladesystem · Motorkontrollleuchte oder mehrere Warnleuchten · Fahrzeug springt nicht an · Plötzlicher Leistungsverlust oder Notlauf · Motor geht beim Anhalten aus und startet nicht mehr · Rauer, unsauberer Wiederstart
Abhilfe: Das Fahrzeug auf Fehlercodes im 48-Volt-Antriebs- und Ladesystem auslesen, den Zustand von 12-Volt- und 48-Volt-Batterie prüfen und die Freeze-Frame-Daten auf Abschaltereignisse von ISG bzw. DC-DC-Wandler kontrollieren. In der Werkstatt wird üblicherweise die Steuergerätesoftware aktualisiert und je nach Befund der defekte DC-DC-Wandler, der integrierte Startergenerator oder weitere 48-Volt-Komponenten ersetzt. Eine Stützbatterie während der Arbeiten sowie korrekte Codierung und Anpassung nach der Reparatur sind wichtig, um Folgefehler zu vermeiden.
Ausfall der Kraftstoff-Fördereinheit mit langem Orgeln, Absterben oder Startverweigerung
HochEtliche Besitzer jüngerer E-Klasse-Baujahre berichten von Startschwierigkeiten, langem Orgeln beim Anlassen, Ruckeln und gelegentlichem Absterben des Motors — verursacht durch Fehler in der Niederdruck-Kraftstoffversorgung, darunter Defekte an der im Tank sitzenden Kraftstoffpumpe bzw. Fördereinheit. Mercedes-Serviceunterlagen zu verwandten Modellen und Besitzerberichte deuten in manchen Fällen auf einen sporadischen Kraftstoffdruckverlust hin, nicht auf ein Problem der Hochdruckpumpe. Die Symptome treten anfangs nur gelegentlich auf und entwickeln sich mit nachlassender Pumpe zur völligen Startverweigerung.
Symptome: Verlängertes Orgeln beim Starten · Sporadische Startverweigerung · Absterben des Motors · Ruckeln beim Beschleunigen · Reduzierte Leistung · Heulendes Geräusch aus dem Bereich des Kraftstofftanks
Abhilfe: Den Niederdruck-Kraftstoffdruck beim Startvorgang und unter Last messen, Soll- und Istwerte vergleichen sowie Stromaufnahme der Pumpe und die Ansteuerung durch das Kraftstoffpumpensteuergerät prüfen. Die Reparatur besteht in der Regel im Austausch der im Tank verbauten Kraftstoffpumpe/Fördereinheit samt Dichtring; anschließend die Adaptionswerte zurücksetzen und die Druckstabilität auf einer Probefahrt verifizieren. Bei Verdacht auf verunreinigten Kraftstoff zusätzlich Tank und Filterkomponenten inspizieren.
Ausfall des Kurbelwellensensors
MittelDer Kurbelwellensensor fällt durch Hitzeeinwirkung und Ölverschmutzung aus, was zu sporadischem Absterben des Motors, Startverweigerung und unrundem Motorlauf führt. Der Sensor sitzt in der Nähe des Schwungrads und ist dort hohen Temperaturen ausgesetzt.
Symptome: Sporadisches Absterben des Motors während der Fahrt · Motor dreht beim Starten durch, springt aber nicht an
Abhilfe: Kurbelwellensensor ersetzen. Eine vergleichsweise einfache Reparatur — der Sensor ist von unten im Bereich der Getriebeglocke zugänglich. Für dauerhafte Zuverlässigkeit einen Original- oder Bosch-Sensor verwenden.
MBUX / Kombiinstrument: schwarzer Bildschirm, Neustarts und ausgefallene Rückfahrkamera durch Softwarefehler im Infotainment
MittelBesitzer der E-Klasse ab Modelljahr 2021 (Facelift) berichten häufig von eingefrorenen MBUX-Displays, schwarzen Bildschirmen, spontanen Neustarts, dem Ausfall von Audio und Navigation sowie Störungen der Rückfahrkamera. Mercedes hat dazu softwarebezogene Serviceinformationen für MBUX und das Kameraverhalten veröffentlicht; NHTSA-Beschwerden beschreiben Fälle, in denen Zentraldisplay oder Kombiinstrument während der Fahrt schwarz werden. Teilweise fallen dadurch auch die Parksensoren aus, oder beim Einlegen des Rückwärtsgangs bleibt das Rückfahrkamerabild aus.
Symptome: Zentraldisplay bleibt schwarz · Kombiinstrument startet neu · Rückfahrkamera ohne Funktion · Eingefrorener Navigations- oder Audio-Bildschirm · Kein Ton von Medien oder Telefon · Warnmeldungen der Parkassistenz
Abhilfe: Den Softwarestand von MBUX-Head-Unit, Kombiinstrument und Kamerasteuergeräten prüfen, anschließend geführte Updates und eine systematische Fehlersuche durchführen. Bringt die Software keine Besserung, ersetzt die Werkstatt je nach abgelegten Fehlern und Reproduzierbarkeit das Display, die Head-Unit, das LVDS-Kabel oder das Kameramodul. Auch der Zustand der 12-Volt-Batterie sollte geprüft werden, da Unterspannung wiederholte Steuergeräte-Resets auslösen kann.
COMAND-Infotainmentsystem friert ein
NiedrigDie COMAND-Head-Unit friert ein, startet willkürlich neu oder zeigt nur noch einen schwarzen Bildschirm. Das festplattenbasierte System ist anfällig für Festplattendefekte und beschädigte Software, wodurch Navigationsdaten und Einstellungen verloren gehen.
Symptome: Infotainment-Bildschirm wird schwarz · System startet während der Fahrt willkürlich neu
Abhilfe: Einen COMAND-Reset durchführen, indem Ein-/Aus-Taste und Zurück-Taste gedrückt gehalten werden. Anschließend die aktuelle Firmware per USB aufspielen. Ist die Festplatte defekt, muss die Head-Unit ersetzt oder instand gesetzt werden.
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